Brief an den Papst

Köln, den 11. März 2006

Eure Heiligkeit Papst Benedikt XVI.,

ich bin eine chinesische Exil-Dichterin. Der Vorsitzende von der Föderation für ein demokratisches China (FDC), Herr Fei Liangyong hat mich gebeten, Sie persönlich über unsere Berliner-Konferenz im Mai zu informieren, weil wir auf Ihre geistige Unterstützung beim Widerstand gegen das kommunistische Regime hoffen.

Das Tiananmen-Massaker im Jahre 1989 hat nicht nur unzählige chinesische Intellektuelle und Studenten ins Exil gezwungen, sondern auch zur Gründung der FDC geführt. Herr Fei und ich studierten damals beide in Deutschland. Nach 17 Jahren haben wir einen deutschen Paß, der uns vor dem Regime schützt. Um so mehr engagieren wir uns für die Menschenrechte und die Glaubensfreiheit in Rotchina. „Brief an den Papst“ weiterlesen

Grenzgänger

rund_lMein Geburtsort Kangding liegt in Tibet. Das erfuhr ich erst in Deutschland durch den Dalai Lama, nachdem ich mich von der kommunistischen Indoktrination befreit  hatte. Tibet gehöre zu China, so behauptet die kommunistische Diktatur. Unter diesem Vorwand ist das kommunistische Militär aus China in Tibet einmarschiert. Tibet und China wurden von den atheistischen Kommunisten ins Chaos gestürzt und umorganisiert. Während Tibeter und Dalai Lama zur Flucht gezwungen wurden, mußten meine Eltern als Funktionäre immer dort arbeiten, wo sie gerade von der kommunistischen Partei gebraucht wurden wie die gesamte Bevölkerung unter der neuen brutalen Herrschaft.

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Die weiße Rose aus der deutschen Vergangenheit blüht in der chinesischen Gegenwart

rund_r– Rede auf der Kundgebung am 12.11.05 in Düsseldorf

Ich bedanke mich für die Redefreiheit.
Unter der kommunistischen Diktatur haben wir Chinesen die Menschenrechte verloren, so nutzen wir die Freiheit auf dem deutschen Boden, um gegen die Kommunisten zu demonstrieren. Ich als Exil-Schriftstellerin fühle mich berufen, meine Stimme denjenigen Landsleuten zu verleihen, die in China unter dem Staatsterrorismus leiden.
Dazu gehören die Opferfamilien vom Pekinger Massaker, die Schriftsteller,die Demokraten, die Christen, die Falun Gong-Praktizierenden , die Tibeter und die Mongolen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Das Pekinger Massaker vor 16 Jahren hat nicht nur die Welt erschüttert, sondern auch uns Chinesen aufgeweckt, um zu erkennen, daß die Kommunisten genau wie Faschisten töten,lügen und terrorisieren. In der Tat hat die KPC etwa 80 Millionen Unschuldige in den vergangenen 56 Jahren umgebracht und der Völkermord dauert noch an.
Nach dem Gewissen zu beurteilen, ist die KPC die größte organisierte Terroristenbande auf der Welt und Hu Jintao ist niemand sonst als derjenige, der 70-130 Tibeter vor 16 Jahren in Lhasa erschießen ließ. Während Hu aufstieg, wurde Zhao Ziyang, der damalige Parteichef abgesetzt, weil er gegen das Pekinger Massaker war. „Die weiße Rose aus der deutschen Vergangenheit blüht in der chinesischen Gegenwart“ weiterlesen

Das chinesische „Gongfu“ (Kungfu Hustle) im Vergleich zum kommunistischen „Helden“ (Hero)

rund_r„Held“ bezieht sich hier auf einen Film von Zhang Yimou.

Gongfu hat etwa die gleiche Bedeutung wie Gong. Das bezeichnet eine sichtbare oder unsichtbare Fähigkeit, die man durch buddhistische oder taoistische Einweihung und Übung erlangen kann, wie in den chinesischen Mythen.

Zhou Xingchi bzw.Stephen Chow hat gute Gründe, seinen neusten Film  als „Gongfu“ zu bezeichnen. Anhand von Zhous Äußerungen vermute ich, daß seine Eltern zu der gebildeten Schicht gehörten, die unter der kommunistischen Diktatur vernichtet wurde. Als Flüchtling in Hongkong lebte seine Familie in einer sehr engen, aber freundlichen Umgebung. Zhou sprach von einem unauffälligen Nachbarn, der sich ihm als Gongfu-Meister offenbarte. Bevor England Hongkong an die  VR China zurückgab, hatte Zhou wie viele Hongkonger versucht,  ins Ausland zu fliehen. Aber seine Auswanderung hat nicht geklappt. So blieb er in Hongkong und gab bekannt, daß er es nicht wagt, offen zu sagen, was er denkt,  aber er freut sich, daß man seine Filme versteht. „Das chinesische „Gongfu“ (Kungfu Hustle) im Vergleich zum kommunistischen „Helden“ (Hero)“ weiterlesen

Eine Berliner Mauer in China fällt

rund_lIm Juni 1989 geschah das welterschütternde Massaker in Peking und in diesem Monat behauptete Honecker angesichts der Fluchtwelle, dass die Berliner Mauer „bei Fortbestehen der Gründe noch 50 oder 100 Jahre bestehen werde“.

Kurze Zeit danach brach die DDR und dann ein kommunistischer Staat nach dem anderen zusammen. Der kalte Krieg zwischen Ost und West veränderte und verlagerte sich nach China. Denn die kommunistische Partei Chinas verteidigte durch das Massaker ihre Diktatur und praktiziert mit der ausländischen Hilfe den schlechtesten Kapitalismus auf der Welt, wie Gorbatschows Freund Zhao Ziyang feststellte.

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Was bedeutet der Tod von Zhao Ziyang?

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„Er ist heute Morgen um 7 Uhr in Ruhe fortgegangen. Endlich frei. Danke allen für die Teilnahme und Glückwünsche!“ verkündete am 17. Januar 2005 Zhao Ziyangs Tochter. Diese Nachricht ging weltweit um und erinnerte zwangsläufig auch an das Massaker am 4. Juni 1989 in Peking.

Zhao Ziyang war niemand anders als derjenige Parteisekretär, der dieses Massaker verhindern wollte. Damals sprach er sich gegen einen Militäreinsatz aus, mit dem der greise Deng Xiaoping die Demokratiebewegung beenden wollte. Aus diesem Grund wurde Zhao zwei Wochen vor dem Massaker unter Hausarrest gestellt.

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Zwischen Karl Marx und Mutter Theresa

rund_lIch wollte unbedingt etwas über Karl Marx auf Deutsch schreiben, nachdem ich erfuhr, daß er als der drittgrößte Deutsche vom ZDF-Publikum ausgewählt wurde. In meinen Essays auf Chinesisch habe ich Marx häufig  erwähnt, aber nicht weil ich ihn verehre.

Wenn man wie ich unter einem kommunistischen Regime aufwuchs und wegen diesem Regime im Exil lebt, muß man sich mit Marx und seiner Wirkung auseinandersetzen. Schließlich hat das kommunistische Regime seit 1949 uns Chinesen Marxismus als Staatsideologie aufgezwungen. Seit die Kommunisten die Macht in China ergriffen, wollten sie mit Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Zedong die drei Heiligen: Konfuzius, Buddha Shakyamuni und Lao-tse der chinesischen Tradition ersetzen.
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Was bedeutet die Partei in der Volksrepublik China?

rund_rDie Übermacht der Partei

Für einen Deutschen hat das Wort „Partei“ viele Bedeutungen. Verschiedene Parteien  stehen ihm zur Wahl – oder zum Beitritt offen -, wenn er sich politisch engagieren möchte. Er kann aus einer Partei auch wieder austreten, oder die Partei wechseln. Es mag mit Streitigkeiten verbunden sein, es kann die Laufbahn eines Politikers beeinträchtigen, aber keinesfalls geht es dabei um eine existenzielle Frage. Keine Partei kann über das Leben eines Mitgliedes bestimmen. Schließlich steht über allen Parteien das Grundgesetz bzw. die Justiz. Außerdem gibt es Glaubens- und Pressefreiheit.

Seit der Gründung der Volksrepublik China aber ist das chinesische Wort für „Partei“ (dang) in allen öffentlichen Medien Chinas einzig und allein für die kommunistische Partei reserviert, nachdem die kommunistische Partei etwa dreißig Jahre lang mit Propaganda und Gewalt die Republik China unter der Regierung von der Nationalistischen Partei (der Guomindang) auf die Insel Taiwan vertrieben hatte.

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Auch ich bin ein Flüchtling

rund_lAls ich Ende 1988 mit einem Flugzeug der DDR Peking verließ, war ich voller Neugierde auf die BRD und ahnte nicht, daß ich damit dem kommunistischen Käfig entflohen war.

Bis dahin hatte ich 22 Jahre in der VR China gelebt und an nichts gezweifelt, was uns beigebracht worden war, z.B. daran, daß die kommunistische Partei das chinesische Volk von den „drei großen Bergen“ – Imperialismus, Feudalismus und Oligarchiekapitalismus befreit hätte. Wie hätte ich auch daran zweifeln können, da ich mit diesen Ismen gar nichts anfangen konnte? Als Schülerin blieb mir nichts anderes übrig, als die tote Theorie für die Prüfungen auswendig zu lernen, ohne etwas davon verstehen zu können.

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Der moderne Turm von Babel

rund_rBevor mich der Karneval wieder aus der Nähe vom Kölner Dom vertrieb, brachte mir die Zeitschrift „Kunst und Kultur“ eine Nachricht aus Düsseldorf, die diese Vertreibung wettmachte, denn der Geist von Heinrich Heine winkt mir wieder zu.
Mit leichtem Gepäck, aber schweren Gedanken nahm ich fluchtartig einen Zug den Rhein entlang, der ruhig fließt wie in Heines  „Lorelei“. Das deutsche Lied sang ich in China als Studentin voller Sehnsucht, während ich in der Schule „Die schlesischen Weber“ auf Chinesisch auswendig lernen musste. Dann promovierte ich mit einer Dissertation über das Frauenbild von Heine und fünf weiteren Dichtern an der deutschen Universität seines Namens. In Heines Geburtshaus hatte ich meine erste Dichterlesung. In Heines Elternhaus in Lüneburg brachte ich mein „Buch der Rätsel“ zu Papier. Nun habe ich gerade einen Zugang zu Religionen gefunden, schon ruft sein Geist mich zu einem schriftlichen Zeugnis auf. „Der moderne Turm von Babel“ weiterlesen